Da war doch was im Mai - die E3?

Zu genau dieser Zeit fand in den letzten Jahren immer die spannendste Zeit für alle Videospieler statt. Denn im Mai öffnete bis zum letzten Jahr immer die „E3“ ihre Pforten, die „Electronic Entertainment Expo“, die große Games-Messe, welche von jedem Entwickler immer dazu genutzt wurde, seine neuesten Super-Spiele oder sogar neuen Konsolen vorzustellen. Kurz gesagt: Die E3 hat Geschichte geschrieben. Diese Messe war bei allen Gamern unglaublich populär und Fach-Internetseiten sowie die Presse veranstalteten zahlreiche Specials zur E3. Auch bei den normalen Medien konnte die Messe jährlich große Aufmerksamkeit erregen. Nach der Messe 2006 – die ebenfalls durch die Ankündigung der erfolgreichen Wii-Konsole von Nintendo in die Geschichte einging – wurde allerdings verkündet, dass die E3 nahezu komplett eingestampft wird. Dies ist – vorerst – ein Rückschlag für die komplette Branche.

Zum Quasi-Aus kam es, weil Firmen die immensen Kosten für ihre Stände bei der Messe beklagten und die meisten neuen Games oft unter der Masse der Ankündigungen untergehen würden. Somit drohten viele Entwickler und Publisher mit einem Boykott der E3. Außerdem wurde kritisiert, dass die Messe immer mehr Journalisten einlud, die keine Branchenerfahrung hatten und die Industrie in den Medien oft ins schlechte Licht gerückt haben. Als das Aus für die E3 im letzten Jahr verkündet wurde, war das Aufschreien in der Industrie und bei den Gamern nicht so groß wie erwartet. Genauer gesagt war es nahezu nicht vorhanden. Doch heute, im Mai 2007, merkt man als Spieler doch, dass etwas fehlt. Und auch die Branche selber, gerade wo der Spielemarkt durch Nintendo deutlich wieder in Richtung Family-Gaming und Causal-Gaming ohne Gewalt geht, ist durch das Aus der Messe stark geschädigt. Denn die neue Richtung des Spielens hätte sicherlich ein sehr positives Echo bei den Medien hervorgerufen.

Doch die E3 ist nicht ganz gestorben: Die neue E3, jetzt „E3 Media Festival“ genannt, findet im Juli statt. Die Veranstaltung wird deutlich verkleinert, sodass jetzt fast nicht mehr von einer Messe gesprochen werden kann. Ort der Veranstaltung ist „Santa Monica“ in Californien – weltweit bekannt durch das berühmte Santa Monica Pier, das in diversen Vergüngungsparks weltweit, u.a. dem amerikanischen Disneyland und dem deutschen Movie Park, ein beliebtes Themenland darstellt. Doch die Hersteller dürfen nicht mehr in einer großen Halle ihre neuesten Entwicklungen anpreisen, sondern müssen in verschiedenen gemieteten Hotels die Spiele vorstellen. Besucher dürfen nur noch auf Einladung die „Messe“ besuchen – anstatt 60.000 Leute werden nun nur noch 3.000 Menschen die E3 live erleben. Eins ist jedoch geblieben: Die berühmten Pressekonferenzen der großen Drei – Nintendo, Microsoft und Sony – bleiben 2007 erhalten. Ob die neue E3 allerdings von ihnen und vielen anderen Publishern überhaupt noch dazu genutzt wird, Neues anzukündigen, ist sehr fraglich.

Positiv könnte die Umgestaltung des früheren Gamer-Mekkas für die deutsche „Games Convention“ werden: Die Messe, die für alle Menschen und nicht nur für Presse und Insider geöffnet ist, erlebt von Jahr zu Jahr Rekord-Besucherzahlen und ist weltweit sehr populär bei den Entwicklern. Im Jahr 2006 wurde die GC zur größten Videospielmesse der Welt, nachdem die Besucherzahlen der „Tokyo Game Show“ erstmals übertroffen werden konnten. Doch auch Andere versuchen, das Loch, das die E3 hinterlassen hat, zu füllen: Die „Entertainment Software Association“ veransaltet die Nachfolger-Messe zur E3. Die neue „Entertainment for All“ wird im Los Angeles Convention Center, dem früheren Austragungsort der E3, vom 18.-20.Oktober 2007 erstmals stattfinden. Die Messe ist aber, wie die GC, für alle Besucher und nicht nur Fachbesucher geöffnet. Neben der GC und der TGS finden nun 3 Videospiel-Messen im sehr engen Zeitraum statt. Die GC im August, die TGS im September und die E for All im Oktober. Großer Pluspunkt der Letzteren: Die Nähe zum Weihnachtsgeschäft. Wie der Kampf ausgeht, sehen wir dann spätestens Ende des Jahres. Die E3 selber, die diesen Kampf ausgelöst hat, wird in unseren Köpfen als großes Ereignis bleiben, mit dem wir Gamer viele Momente verbinden, an die wir uns wohl lange erinnern werden. Schade um diese großartige Messe. Denn ich bin mir sicher, dass niemand es schaffen wird, dieses Event, das Brenn- und Knotenpunkt der Spieleindustrie war, einfach zu ersetzen oder wiederaufleben zu lassen. Außer vielleicht die Veranstalter der E3 selber…

Wir lesen uns demnächst wieder. Bis dahin viel Spaß beim Zocken. Kontakt: zeldasonic@nintendo-power.de


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