Von der Rückkehr einer Legende

Wenn viele Menschen in dieser Zeit von Comebacks reden, dann meinen sie wahrscheinlich Comebacks von Boxern wie Axel Schulz oder Henry Maske, die Rückkehr von Musikbands wie Take That, Queen oder Genesis oder auch jene von Christoph Daum in den deutschen Fußball. Nintendo-Fans sprechen in diesen Tagen von einem Comeback der größten Legende der Videospielgeschichte: Zelda. Eigentlich war die Legende nie wirklich weg – erschienen doch seit dem grandiosen „Ocarina of Time“ neue Klassiker wie „The Wind Waker“ oder „The Minish Cap“. Doch irgendwie ist „Twilight Princess“, der neue Teil der Zelda-Reihe, eine Rückkehr zu dem, was Zelda im Kompletten ausmacht oder was die ideale Definition eines Zelda-Spieles ist. Auch wenn „The Wind Waker“ oder die GBA-Spiele allesamt der Reihe teilweise neue Impulse einhauchten: Die wahre Rückkehr einer Legende geschieht erst jetzt, wenn der Fan über die realistische Steppe von Hyrule reiten kann, weil Epona zurückgekehrt ist und wenn der Fan ein Game-Intro erlebt, das völlig absichtlich an dieses Spiel erinnert, welches 1998 als bestes Spiel aller Zeiten in die Geschichte eingegangen ist. Kann aber das neue Zelda, das zugleich klassisch und doch so neu ist, auch qualitativ an OOT anknüpfen oder waren alle Hoffnungen umsonst?

Zu allererst: „Twilight Princess“ wird sicherlich nicht das beste Spiel aller Zeiten – dazu waren 1998 die Eindrücke der Möglichkeiten eines 3-D-Zeldas einfach zu überwältigend und zu einmalig, als dass ein Spiel, das 10 Jahre nach der Entdeckung des 3-D in Spielen, diese Eindrücke und Erlebnisse, die damals von den Spielern zum ersten Mal erlebt wurden, heute aber x-mal erlebt wurden, übertrumpfen könnte. Genauso verhält es sich übrigens bei dem Franchise „Metroid“, um ein weiteres Beispiel zu nennen. Das erste 3-D-Metroid wird für alle Zeiten das beste 3-D-Metroid bleiben, weil alle Spiele, die danach kommen, meist nur Bekanntes konservieren und kein völlig neues Spielerlebnis mehr bieten können, welches automatisch immer zu höheren Wertungen führt. „Metroid Prime“ ist heute übrigens das drittbeste Spiel aller Zeiten (gamerankings.com). Wie schneidet aber „Twilight Princess“ aktuell bei gamerankings.com – diese Seite rechnet den Durchschnitt aller amerikanischen Zeitungs- und Internetwertungen zu einer Durchschnittswertung für ein Spiel zusammen - ab? Um es mit einem Wort zu sagen: Überwältigend. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels kann sich das neue Zelda als das drittbeste Spiel aller Zeiten bezeichnen und liegt mit einer Durchschnittswertung von 96,4% (!!!) sogar noch gleichauf mit dem zweitbesten Spiel „Soul Calibur“. „Ocarina of Time“ liegt übrigens mit phänomenalen 97,9% für immer uneinholbar an der Spitze. Wenn ich also davon rede, dass „Metroid Prime“ das drittbeste Spiel aller Zeiten mit einer Wertung von 96,3% ist, dann könnte diese Information schon in einem Monat der Vergangenheit angehören, wenn alle Reviews zu Zelda TP in dessen Durchschnittswertung eingeflossen sind.

Doch Platz 3 hin oder her: Solch hohe Wertungen zeigen doch, dass wir mit „Twilight Princess“ höchstwahrscheinlich schon das beste Spiel der kommenden Konsolengeneration gefunden haben, bevor diese für Nintendo-Fans überhaupt beginnt. Es ist das Spiel, das den Kreis mit „Ocarina of Time“ schließt und das vollendet, was 1998 begonnen wurde. Es ist ein grandioses Meisterwerk, welches laut Reviews die Genialität von „Ocarina of Time“ fortsetzt und sie mit der Innovation einer völlig neuen Steuerung, und damit eines teilweise neuen Spielerlebnisses, das ja, wie oben beschrieben, nötig ist, um Traumwertungen zu erzielen, verbindet. Auch wenn vereinzelte Reviews die Steuerung der Cube-Version für besser halten: Die Portierung von TP auf Wii war ein grandioser Coup von Nintendo. Denn abgesehen von dem neuen Spielerlebnis liest man auch in vielen Reviews, dass die Wii-Steuerung vorgezogen werden sollte. Wie Seiten wie „Game Revolution“ oder „Gamespot“, die jeweils nur 85% bzw. 88% für das Spiel vergaben, kritisieren können, dass es „nichts Neues“ gäbe, ist mir unverständlich. Doch ich weiß jetzt schon, dass dieses Spiel ein Meisterwerk ist, ohne es selbst gespielt zu haben. Dazu habe ich aber ab Weihnachten genug Zeit.

Nächste Woche gibt es schon eine neue Kolumne. Schreibt mir eure Meinungen oder auch Themenvorschläge für die nächsten Texte an zeldasonic@nintendo-power.de. Bis dahin viel Spaß beim Zocken.


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